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Rhein-Zeitung
Ausstellung im Schloss
Hauderer laden in Simmern zu virtuellem Waldrundgang
- Werner Dupuis
29.10.2025, 10:00 Uhr
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Lebens- und Kulturraum oder nur Ort, an dem Bäume wachsen: Der Wald hat unterschiedliche Bedeutungen für die Menschen. Auch für Kunstschaffende, wie die Jahresausstellung der Hauderer deutlich macht, die derzeit im Schloss in Simmern zu sehen ist.
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Die Mehrzahl der Deutschen hat einen besonderen Bezug zum Wald. Für viele ist er mehr als nur ein Ort, an dem Bäume wachsen, für sie ist der Wald ein Lebens- und folglich ein Kulturraum. Grund genug für die Hauderer, den Wald zum Thema ihrer Jahresausstellung 2025 zu machen. Im Foyer des Schlosses in Simmern sind bis zum 9. November die Werke der Kunstschaffenden zu sehen.
Zu einem visuellen Waldspaziergang werden die Besucher beim Rundgang eingeladen. Rund 40 Natur-, Baum- und Waldimpressionen sind zu sehen. Es sind zumeist schöne, idealisierende, idyllische Bilder von Sehnsuchtsorten und heiler Welt, fernab von allen Realitäten und des aktuellen Zeitgeschehens. Ingrid Litzenberger hatte beispielsweise ihre Staffelei an einem Novembertag am Simmerbach unterhalb ihrer Mühle bei Gehlweiler aufgebaut. Vornehmlich in Blau- und Grautönen zeigt das Bild, dass der November doch nicht so trist und grau ist wie oft empfunden. Karl Kaul, Gründer, Vorsitzender und Grandseigneur der Hauderer, griff ganz tief in seine Farbpalette. In aller Opulenz hat er den leuchtenden Herbstwald auf die Leinwand gebracht, als Lichtblick gegen den November-Blues.
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Vom Sommer in den Herbst springt Veronika Neumann mit ihren beiden stimmungsvollen Acrylbildern. In der Regel unsichtbare Baumgeister konnte Helga Schüler ausfindig machen und darstellen. Dieter Böhm war in seinem Hunsrückwald idealisierend unterwegs. Kritischer geht Martin Thomas mit seinem Heimatland um. Die „Verspargelung“ im Külzbachtal durch etliche Windräder, die die Bäume im eigentlichen Wald baumhoch überragen, zeigt sein Triptychon.
Auf einem ganz anderen Pfad ist Alexander Stepanow unterwegs. Als abstrakte Holzkunst umschreibt er seine Arbeiten. Gut abgelagertes Holz von der Walnuss, von Mahagoni, Eiche, Akazien, Rotbuche oder auch diversen Obstsorten, naturbelassen oder gebeizt, geschliffen oder grob, fügt er kunstvoll zu seinen Waldbildern zusammen.
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„Innehalten, hinschauen, nachdenken“, dies empfahl Michael Boos, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Simmern-Rheinböllen, den Besuchern der Vernissage zur Ausstellung in seiner Laudatio. 47 Prozent seiner VG seien von Wald bedeckt. Für viele Menschen sei der Wald mehr als nur ein Raum zur Erholung, als Sehnsuchtsort biete er Geborgenheit, das ersehnte „Gehaichnis“ in einer sich immer schneller drehenden Zeit. Bäume seien aber keine Einzelgänger. „Vergleichbar mit der menschlichen Gesellschaft leben sie in einer Symbiose mit ihrer Umgebung“, beschrieb Boos.
Joachim Hilbert, Forstwirt und Hauderer, nahm seine Zuhörer mit auf einen Exkurs zum Thema nachhaltige Waldwirtschaft. Zur musikalischen Umrahmung waren die drei Damen der Great Mothers Band zur Vernissage eingeladen. Die Hauderer, der Arbeitskreis bildnerisch Schaffender auf dem Hunsrück, wurden 1981 gegründet und zählen aktuell 34 Mitglieder. Eingeladen sind alle kreativen Menschen, die Freude am Malen, Zeichnen, Fotografieren und plastischen Gestalten haben.
Weitere Infos unter www.hauderer.de